Freiberufler bekommen in der Regel kein klassisches Arbeitszeugnis, weil zwischen ihnen und dem Auftraggeber normalerweise kein Arbeitsverhältnis, sondern ein Dienst- oder Werkvertrag besteht. In der Praxis ist das aber kein Nachteil, wenn du dir stattdessen gezielt ein Referenzschreiben oder ein kurzes Kunden-Statement besorgst.
Für die Akquise ist das oft sogar wertvoller als ein formales Zeugnis, weil potenzielle Auftraggeber vor allem wissen wollen:
- Was hast du konkret gemacht?
- Für wen hast du gearbeitet?
- Welche Ergebnisse hast du geliefert?
- Würde der Kunde dich wieder beauftragen?
Warum es für Freiberufler meist kein Arbeitszeugnis gibt
Ein Arbeitszeugnis ist an ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis gekoppelt. Freiberufler arbeiten dagegen selbstständig und übernehmen Aufträge eigenverantwortlich. Deshalb gibt es regelmäßig keinen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis wie bei Arbeitnehmern.
Trotzdem kann ein Auftraggeber freiwillig eine schriftliche Bewertung ausstellen. In der Praxis läuft das meist als:
- Referenzschreiben
- Empfehlungsschreiben
- Projektbestätigung
- Testimonial
Rechtliche Grundlage: Warum kein Zeugnis, aber trotzdem Optionen
Der gesetzliche Anspruch auf ein Arbeitszeugnis ergibt sich aus § 630 BGB (Dienstvertrag) und § 109 GewO (Gewerbeordnung). Beide Normen setzen aber ein Arbeitsverhältnis voraus. Als Freiberufler bist du Auftragnehmer, nicht Arbeitnehmer, deshalb greifen diese Vorschriften nicht.
Es gibt allerdings eine wichtige Ausnahme: Wenn ein Gericht feststellt, dass dein Vertragsverhältnis tatsächlich eine Scheinselbstständigkeit war, also ein verdecktes Arbeitsverhältnis, hättest du rückwirkend auch Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Das ist aber ein Sonderfall, der andere Probleme mit sich bringt.
Was du dagegen vertraglich vereinbaren kannst:
- Referenzklausel im Vertrag: Du kannst in deinem Dienst- oder Werkvertrag festhalten, dass der Auftraggeber nach Projektende eine Projektbestätigung oder ein Referenzschreiben ausstellt. Das ist keine gesetzliche Pflicht, aber eine vertragliche Zusicherung, die du im Zweifel durchsetzen kannst.
- NDA-kompatible Variante: Falls eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) besteht, kannst du trotzdem eine anonymisierte Projektbestätigung vereinbaren, die keine sensiblen Details preisgibt, aber die Zusammenarbeit bestätigt.
Was ist besser: Zeugnis, Referenz oder Testimonial?
Das hängt vom Einsatzzweck ab.
Referenzschreiben
Die beste Allzweck-Lösung für Freiberufler. Es beschreibt die Zusammenarbeit, deine Rolle, den Zeitraum und den Nutzen deiner Arbeit.
Testimonial
Kürzer und marketingnäher. Gut für Website, LinkedIn oder Angebotsunterlagen.
Projektbestätigung
Sinnvoll, wenn du vor allem belegen willst, dass du für einen bekannten Kunden gearbeitet hast, auch wenn dieser keine ausführliche Bewertung abgeben möchte.
Für die meisten Freiberufler ist eine Kombination ideal: ein paar kurze öffentliche Testimonials und zusätzlich 2 bis 5 belastbare Referenzschreiben für ernsthafte Angebotsphasen.
Was sollte in ein gutes Referenzschreiben?
Ein starkes Referenzschreiben ist konkret. Es sollte nicht nur sagen, dass die Zusammenarbeit „angenehm” war, sondern nachvollziehbar machen, was du geleistet hast.
Wichtige Bestandteile sind:
- Name des Auftraggebers
- Zeitraum der Zusammenarbeit
- Rolle oder Leistungsbereich
- kurze Beschreibung des Projekts
- konkrete Aufgaben
- Ergebnisse oder Mehrwert
- Einschätzung zu Zuverlässigkeit, Kommunikation und Qualität
- wenn möglich ein Satz zur Wiederbeauftragung
Je konkreter das Schreiben wird, desto nützlicher ist es später für Vertrieb und Positionierung.
Vorlage: So kann ein Referenzschreiben aussehen
Damit du nicht bei null anfangen musst, hier ein Muster, das du als Grundlage verwenden und an deinen konkreten Fall anpassen kannst:
Referenzschreiben
Wir haben mit [dein Name] im Zeitraum von [Monat/Jahr] bis [Monat/Jahr] im Bereich [Leistungsbereich, z. B. UX-Design / Webentwicklung / Redaktion] zusammengearbeitet.
[Dein Name] war verantwortlich für [konkrete Aufgaben, z. B. die Konzeption und Umsetzung einer neuen Landingpage-Struktur]. Dabei überzeugte er/sie durch [z. B. strukturierte Arbeitsweise, schnelle Einarbeitung in unsere Prozesse und termingerechte Lieferung].
Das Ergebnis [z. B. eine Steigerung der Conversion-Rate um 25 %] hat unsere Erwartungen erfüllt/übertroffen.
Wir können die Zusammenarbeit mit [dein Name] uneingeschränkt empfehlen und würden jederzeit wieder mit ihm/ihr zusammenarbeiten.
[Ort, Datum] [Name, Position, Unternehmen]
Passe den Entwurf so an, dass er zum jeweiligen Projekt passt. Wichtig: Schicke ihn dem Kunden immer als Entwurf zur Freigabe, nie als fertiges Dokument, das du selbst unterzeichnet hast.
Welche Formulierungen funktionieren gut?
Gute Referenzen sind glaubwürdig und präzise. Beispiele für starke Aussagen sind:
- „Herr X unterstützte uns bei der Überarbeitung unserer Website-Struktur und entwickelte ein neues Content-Konzept.”
- „Die Zusammenarbeit war zuverlässig, strukturiert und termintreu.”
- „Besonders hilfreich war die schnelle Einarbeitung in unsere komplexen Anforderungen.”
- „Wir würden jederzeit wieder mit Frau Y zusammenarbeiten.”
Weniger hilfreich sind rein allgemeine Aussagen wie:
- „war nett”
- „hat sich bemüht”
- „war grundsätzlich in Ordnung”
Solche Sätze sagen potenziellen Kunden praktisch nichts.
Wann solltest du nach einer Referenz fragen?
Der beste Zeitpunkt ist direkt nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt oder nach einem klar erkennbaren Meilenstein. Dann ist die Zusammenarbeit noch präsent und der Kundennutzen am greifbarsten.
Geeignete Momente sind zum Beispiel:
- nach Abschluss eines Projekts
- nach Veröffentlichung eines Ergebnisses
- nach einem besonders erfolgreichen Sprint
- wenn der Kunde sich bereits positiv geäußert hat
Wartest du zu lange, sinkt die Chance auf eine gute, konkrete Rückmeldung deutlich.
So machst du es dem Auftraggeber leicht
Viele gute Referenzen scheitern nicht am Willen des Kunden, sondern am Aufwand. Deshalb funktioniert diese Vorgehensweise am besten:
- Bitte kurz und konkret um eine Referenz.
- Nenne den Verwendungszweck, zum Beispiel Website, Angebotsunterlagen oder LinkedIn.
- Biete einen Entwurf an, den der Kunde nur noch anpassen und freigeben muss.
Das ist in der Praxis völlig normal. Viele Auftraggeber sind dankbar, wenn sie nicht bei null anfangen müssen.
Vorlage für eine Referenzanfrage
Du kannst etwa so fragen:
Vielen Dank für die Zusammenarbeit. Wenn du zufrieden warst, würde ich mich über ein kurzes Referenzschreiben freuen. Ich kann dir gern einen kompakten Entwurf vorbereiten, den du nur noch prüfen und freigeben musst.
Das ist höflich, klar und senkt die Hürde.
Worauf du bei öffentlichen Referenzen achten solltest
Nicht jede Referenz darf einfach auf deiner Website landen. Prüfe immer:
- Darfst du den Kundennamen öffentlich nennen?
- Darfst du das Projekt beschreiben?
- Gibt es Vertraulichkeitsklauseln?
- Ist die Referenz nur für interne Angebotsunterlagen gedacht?
Gerade bei Agenturen, Konzernen, öffentlichen Auftraggebern oder sensiblen Projekten ist Zurückhaltung wichtig.
Was tun, wenn ein Kunde kein Schreiben ausstellen will?
Das ist nicht ungewöhnlich. Manche Unternehmen geben grundsätzlich keine individuellen Schreiben heraus. Dann helfen Alternativen:
- kurze E-Mail-Freigabe für ein Zitat
- LinkedIn-Empfehlung
- Projektbestätigung ohne Wertung
- anonymisierte Fallstudie
- Referenzgespräch auf Anfrage
Du brauchst nicht zwingend ein offizielles PDF mit Briefkopf, solange du belastbare soziale Belege für deine Arbeit vorweisen kannst.
Dos und Don’ts bei Referenzen
Damit du typische Fehler vermeidest und deine Referenzen maximal wirken, hier eine Übersicht:
Do
- Frag aktiv nach Referenzen. Warte nicht darauf, dass der Kunde von selbst etwas anbietet. Die meisten Kunden sind bereit, haben aber nicht die Initiative.
- Formuliere einen Entwurf vor. Das spart dem Kunden Zeit und gibt dir Kontrolle darüber, welche Aspekte betont werden.
- Halte eine Referenzliste aktuell. Pflege eine Liste mit Projekten, Ansprechpartnern und Kontaktdaten, die du bei Bedarf schnell zusammenstellen kannst.
- Hol dir die Freigabe schriftlich. Eine kurze E-Mail-Bestätigung reicht aus, aber halte fest, wofür die Referenz verwendet werden darf.
- Sammle Referenzen in verschiedenen Formaten. Kurzzitat, ausführliches Schreiben und LinkedIn-Empfehlung decken unterschiedliche Situationen ab.
Don’t
- Referenzen erfinden oder übertreiben. Das fliegt früher oder später auf und beschädigt deinen Ruf nachhaltig.
- Referenzen ohne Erlaubnis veröffentlichen. Auch wenn der Kunde zufrieden war, brauchst du eine ausdrückliche Freigabe für die öffentliche Nutzung.
- Nur eine einzige Referenz haben. Ein einzelnes Schreiben wirkt dünn. Versuche, mindestens drei bis fünf belastbare Referenzen aufzubauen.
- Veraltete Referenzen verwenden. Wenn deine neueste Referenz fünf Jahre alt ist, wirft das Fragen auf. Halte die Sammlung aktuell.
- Vertrauliche Projektdetails preisgeben. Prüfe bei jedem Projekt, ob NDA-Klauseln die Nennung von Projektinhalten oder Kundennamen einschränken.
Referenzen für Plattformen und Ausschreibungen
Je nachdem, wie du Aufträge akquirierst, können Referenzen in unterschiedlicher Form gefragt sein:
- Freelancer-Plattformen (z. B. Upwork, Malt): Hier zählen vor allem Bewertungen und abgeschlossene Projekte direkt auf der Plattform. Externe Referenzschreiben lassen sich oft im Profil verlinken.
- Öffentliche Ausschreibungen: Auftraggeber verlangen häufig Referenzprojekte mit Ansprechpartner, Projektumfang und Zeitraum. Eine saubere Referenzliste in tabellarischer Form ist hier oft hilfreicher als ein Fließtext.
- LinkedIn: Empfehlungen auf LinkedIn wirken wie öffentliche Testimonials und sind für viele potenzielle Kunden der erste Berührungspunkt mit deiner Arbeit.
Wenn du regelmäßig über verschiedene Kanäle akquirierst, lohnt es sich, Referenzen in mehreren Formaten bereitzuhalten: als kurzes Zitat, als strukturierte Liste und als ausführliches Schreiben.
Referenzen strategisch einsetzen
Gute Referenzen sind nicht nur Beweisstücke, sondern Verkaufsargumente. Setze sie gezielt ein:
- Website: Platziere zwei bis drei kurze Testimonials auf deiner Startseite oder einer eigenen Referenzseite. Echte Namen und Positionen erhöhen die Glaubwürdigkeit deutlich.
- Angebotsunterlagen: Füge in Angebote für größere Projekte ein bis zwei relevante Referenzen ein, die thematisch zum angefragten Projekt passen.
- Erstgespräch: Erwähne konkrete Projekte und Ergebnisse im Gespräch. Du musst nicht sofort ein Dokument vorlegen, aber die Bereitschaft, Referenzen zu benennen, schafft Vertrauen.
- Social Media: Teile Projekterfolge (mit Kundenfreigabe) als Posts oder Case Studies. Das wirkt authentischer als reine Eigenwerbung.
Passe die Referenz immer an den Kontext an. Einem potenziellen Kunden aus der Finanzbranche zeigst du idealerweise eine Referenz aus einem ähnlichen Umfeld, nicht aus einem komplett anderen Bereich.
Häufige Fragen
Haben Freiberufler einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
Nein. Ein Arbeitszeugnis nach § 630 BGB bzw. § 109 GewO steht nur Arbeitnehmern zu. Freiberufler arbeiten auf Basis eines Dienst- oder Werkvertrags und haben deshalb keinen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis. Du kannst aber vertraglich ein Referenzschreiben oder eine Projektbestätigung vereinbaren.
Was ist der Unterschied zwischen einem Referenzschreiben und einem Testimonial?
Ein Referenzschreiben ist ein ausführliches Dokument, das Projektzeitraum, Aufgaben, Ergebnisse und eine Bewertung enthält. Ein Testimonial ist ein kurzes Kundenzitat, das vor allem für Website, Social Media oder Angebotsunterlagen geeignet ist. Beide ergänzen sich gut.
Darf ich ein Referenzschreiben selbst vorformulieren?
Ja, das ist in der Praxis üblich und wird von vielen Auftraggebern sogar bevorzugt. Du formulierst einen Entwurf, den der Kunde prüft, anpasst und freigibt. Wichtig ist, dass der Entwurf ehrlich und sachlich bleibt.
Fazit
Freiberufler brauchen meist kein klassisches Arbeitszeugnis. Für die Praxis ist ein gutes Referenzschreiben ohnehin wertvoller, weil es konkreter auf Leistung, Projektkontext und Ergebnisse eingeht.
Wenn du systematisch nach Referenzen fragst und sie sauber für Website, Angebotsunterlagen und Profile aufbereitest, stärkst du damit nicht nur deine Glaubwürdigkeit, sondern oft auch deine Abschlussquote bei neuen Projekten.
Häufige Fragen
Haben Freiberufler einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
Nein. Ein Arbeitszeugnis nach § 630 BGB bzw. § 109 GewO steht nur Arbeitnehmern zu. Freiberufler arbeiten auf Basis eines Dienst- oder Werkvertrags und haben deshalb keinen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis. Du kannst aber vertraglich ein Referenzschreiben oder eine Projektbestaetigung vereinbaren.
Was ist der Unterschied zwischen einem Referenzschreiben und einem Testimonial?
Ein Referenzschreiben ist ein ausfuehrliches Dokument, das Projektzeitraum, Aufgaben, Ergebnisse und eine Bewertung enthaelt. Ein Testimonial ist ein kurzes Kundenzitat, das vor allem fuer Website, Social Media oder Angebotsunterlagen geeignet ist. Beide ergaenzen sich gut.
Darf ich ein Referenzschreiben selbst vorformulieren?
Ja, das ist in der Praxis ueblich und wird von vielen Auftraggebern sogar bevorzugt. Du formulierst einen Entwurf, den der Kunde prueft, anpasst und freigibt. Wichtig ist, dass der Entwurf ehrlich und sachlich bleibt.
Weiterlesen
Diese Beiträge passen thematisch zu diesem Artikel.