Steuerberater-Kosten: Wann sich ein Steuerberater für Freiberufler lohnt

Veröffentlicht am 9.3.2024

Zuletzt aktualisiert am 18.4.2026

Steuerberater-Kosten: Wann sich ein Steuerberater für Freiberufler lohnt

Als Steuerzahler fragst Du dich vielleicht, ob Du tatsächlich einen Steuerberater brauchst. Schließlich sind die Kosten für Steuerberater nicht zu unterschätzen. Es ist also fraglich, ob Du das Geld, das Du für diese Dienstleistung bezahlst, tatsächlich vom Finanzamt zurückbekommst oder ob es sich für Dich als Verlustgeschäft erweist.

Lohnt sich ein Steuerberater für Arbeitnehmer? Auf den Einzelfall kommt es an

Wenn Du als normaler Arbeitnehmer tätig bist, der in der Steuererklärung lediglich die üblichen Pauschalen wie Kilometergeld oder Werbungskosten absetzen kann, lohnt sich die Steuerberatung in der Regel nicht. In diesem Fall kannst Du die Steuererklärung in wenigen Minuten online mit Hilfe des elster-Programms selbst erstellen und siehst hier auch sofort, wie hoch die Rückzahlung ausfallen wird.

Anders liegt hingegen der Fall, wenn Du als Arbeitnehmer noch zusätzliche Einkünfte hast. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Du ein Haus geerbt hast, das Du ganz oder teilweise vermietest. Hier ist die Steuererklärung auch wegen der Abschreibungen von Investitionen für die Immobilie wesentlich aufwendiger als für einen Arbeitnehmer, der lediglich sein Arbeitseinkommen angeben muss.

Was kostet ein Steuerberater? Die Gebühren sind gesetzlich geregelt

Wie hoch die Kosten für den Steuerberater ausfallen dürfen, ist in der sogenannten Steuerberatergebührenverordnung gesetzlich geregelt. Allerdings werden hier keine fixen Beträge festgeschrieben, sondern ein Rahmen vorgegeben, innerhalb dessen sich der Steuerberater bewegen muss. Höhere Gebühren als in der Steuerberatervergütungsverordnung festgelegt sind, darf der Steuerberater nur verlangen, wenn er die Mehrkosten nachvollziehbar begründen kann. Hierauf verzichten allerdings viele Steuerberater, weil für sie der Verwaltungsaufwand für die Begründungen oft höher wäre, als die Einnahmen, die ihnen zustehen würden.

Zur Berechnung dürfen die Steuerberater laut Steuerberatergebührenverordnung allerdings verschiedene Faktoren zugrunde legen. Am häufigsten verwenden sie die sogenannte Wertgebühr. Diese berechnet sich danach, wie komplex die jeweilige Dienstleistung des Steuerberaters ausfällt oder wie umfangreich die Steuererklärung ist. Das bedeutet: Eine normale Einkommenssteuererklärung ist günstiger als etwa eine Körperschaftssteuererklärung. Wenn Du ein niedriges Einkommen hast, musst Du mit etwa 200 Euro für das Erstellen der Einkommenssteuer rechnen. Besser- oder Gutverdiener müssen hingegen damit rechnen, mehr als 1.000 Euro bezahlen zu müssen.

Was kostet ein Steuerberater für Freiberufler?

Freiberufler und Unternehmer hingegen müssen mit deutlich höheren Kosten für einen Steuerberater rechnen. Der Grund: Hier muss nicht nur die Steuererklärung korrekt abgegeben werden, sondern auch eine Gewinnermittlung erfolgen. Als Freiberufler hast du allerdings wesentlich mehr Abschreibungsmöglichkeiten als ein normaler Arbeitnehmer. Der Steuerberater kann durch eine geschickte Buchhaltung Dein offizielles Einkommen also deutlich senken, sodass Deine Steuerlast merklich sinkt. Für Dich als Freiberufler lohnt sich der Steuerberater daher deutlich eher.

Konkrete Gebühren nach StBVV: Was Freiberufler typischerweise zahlen

Die Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) legt feste Gebührenrahmen für jede Leistung fest. Innerhalb dieses Rahmens berechnet dein Steuerberater einen Zehntel-Satz, der sich nach der Komplexität deines Falls richtet. Die folgenden Werte geben dir eine realistische Orientierung für typische Freiberufler-Szenarien:

Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) nach § 25 Abs. 2 StBVV: Die Gebühr richtet sich nach deinem Jahresumsatz. Bei einem Umsatz von 50.000 Euro liegt die volle Gebühr (10/10) bei etwa 270 Euro. Der erlaubte Rahmen bewegt sich zwischen 5/10 und 20/10 — die meisten Steuerberater rechnen mit der Mittelgebühr ab, also rund 270 bis 400 Euro. Bei 100.000 Euro Umsatz steigt die Mittelgebühr auf etwa 400 bis 600 Euro.

Umsatzsteuererklärung nach § 24 Abs. 1 Nr. 8 StBVV: Auch hier richtet sich die Gebühr nach deinem Umsatz. Bei 50.000 Euro Umsatz liegt die Mittelgebühr bei rund 200 bis 350 Euro. Dazu kommen bei vielen Freiberuflern noch die monatlichen oder vierteljährlichen Umsatzsteuervoranmeldungen: Pro Voranmeldung kannst du mit 30 bis 80 Euro rechnen, also etwa 360 bis 960 Euro pro Jahr bei monatlicher Abgabe.

Einkommensteuererklärung nach § 24 Abs. 1 Nr. 1 StBVV: Bei einem zu versteuernden Einkommen von 50.000 Euro liegt die Mittelgebühr bei etwa 500 bis 800 Euro. Bei höheren Einkommen steigt sie entsprechend — bei 100.000 Euro kannst du mit 800 bis 1.200 Euro rechnen.

Laufende Buchführung nach § 33 StBVV: Falls du deinem Steuerberater auch die monatliche Buchführung übergibst, kommen weitere Kosten hinzu. Je nach Belegvolumen liegen diese für Freiberufler typischerweise bei 80 bis 250 Euro pro Monat.

Für einen typischen Freiberufler mit 60.000 Euro Jahresumsatz, der EÜR, Umsatzsteuererklärung, vierteljährliche Voranmeldungen und die Einkommensteuererklärung vom Steuerberater erstellen lässt, ergeben sich in Summe also jährliche Kosten von etwa 1.500 bis 3.000 Euro. Wer zusätzlich die laufende Buchführung abgibt, muss mit 3.000 bis 5.000 Euro pro Jahr rechnen.

Wann sich der Steuerberater für Freiberufler wirklich rechnet

Die entscheidende Frage ist nicht nur, was der Steuerberater kostet, sondern was er dir an Steuern spart. In vielen Fällen rechnet sich die Investition deutlich:

Höhere Betriebsausgaben erkennen: Ein erfahrener Steuerberater kennt Abzugsmöglichkeiten, die du als Laie leicht übersiehst. Dazu gehören anteilige Kosten für das häusliche Arbeitszimmer, Fortbildungen, Fachliteratur, Bewirtungskosten oder die Abschreibung von Arbeitsmitteln. Schon ein einzelner übersehener Posten von 2.000 Euro kann bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent eine Ersparnis von 840 Euro bedeuten.

Investitionen optimal timen: Wenn du größere Anschaffungen planst — etwa einen neuen Laptop, eine Kameraausrüstung oder Büromöbel — kann dein Steuerberater dir helfen, den steuerlich günstigsten Zeitpunkt zu wählen. Durch die richtige Nutzung von Sonderabschreibungen nach § 7g EStG (Investitionsabzugsbetrag) kannst du bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten vorab gewinnmindernd abziehen.

Fristen und Vorauszahlungen: Dein Steuerberater sorgt dafür, dass du keine Fristen versäumst und keine unnötigen Verspätungszuschläge zahlst. Außerdem kann er dafür sorgen, dass deine Steuervorauszahlungen realistisch angepasst werden, sodass du nicht unnötig Liquidität verlierst.

Betriebsprüfung und Rückfragen: Sollte das Finanzamt eine Prüfung ansetzen oder Rückfragen zu deiner Steuererklärung haben, ist dein Steuerberater dein erster Ansprechpartner. Er übernimmt die Kommunikation mit dem Finanzamt und kennt die typischen Prüfungsschwerpunkte.

Faustregel: Wenn du als Freiberufler mehr als 25.000 bis 30.000 Euro Jahresgewinn erzielst, lohnt sich ein Steuerberater in den meisten Fällen. Die Steuerersparnis durch professionelle Beratung übersteigt die Kosten oft deutlich — vor allem, wenn du neben der reinen Zeitersparnis auch die Sicherheit berücksichtigst, dass deine Steuererklärung korrekt und vollständig ist.

Den passenden Steuerberater finden

Allerdings musst Du auch den richtigen Steuerberater finden, damit Du von seinen Leistungen profitieren kannst. Viele der rund 90.000 bundesweit tätigen Steuerberater haben sich nämlich auf eine bestimmte Klientel, auf Vereine oder auf GmbHs spezialisiert. Diese Spezialisierung ist für Dich als Laie jedoch nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Deshalb empfiehlt es sich für Dich, online nach dem passenden Steuerberater zu suchen. Auf der Homepage der jeweiligen Kanzlei findest Du üblicherweise einen Hinweis darauf, auf welche Gebiete sich der Steuerberater spezialisiert hat. Daneben gibt es natürlich auch große Steuerberatungskanzleien mit Experten aus verschiedenen Bereichen.

Diese Vorab-Informationen sind für Dich insofern wichtig, als beispielsweise landwirtschaftliche Betriebe oder gemeinnützige Vereine steuerlich völlig anders behandelt werden als ein Freiberufler. Du profitierst also am meisten von der Dienstleistung, wenn Du einen Steuerberater beauftragst, der sich auf Freiberufler, idealerweise auch auf Deine Branche, spezialisiert hat.

Lassen sich die Steuerberaterkosten vorher einschätzen?

Grob einschätzen kannst Du die Gebühren für den Steuerberater mit Hilfe der Tabelle, welche die Firma Cyberlab GmbH anbietet. Dort sind die typischen Gebühren für die verschiedenen Dienstleistungen sowie die möglichen Bandbreiten angegeben. Du kannst also die Rechnung direkt mit diesem Rechner vergleichen. Sollte sich der Steuerberater stets am oberen Rahmen der erlaubten Gebühren bewegen, kannst Du ihn also auch direkt darauf ansprechen.

Denn in seiner Rechnung muss der Steuerberater nicht nur die Art der Tätigkeit angeben, sondern auch die jeweiligen Gebühren sowie Auslagen. Zeitgebühren, die nach demselben Stundensatz berechnet wurden, dürfen allerdings zusammengefasst werden. Du musst allerdings noch die gesetzliche Mehrwertsteuer hinzurechnen, denn der Steuerberater gibt Dir lediglich einen Nettobetrag an.

Steuerberater-Kosten als Betriebsausgabe absetzen

Ein wichtiger Punkt, den viele Freiberufler nicht auf dem Schirm haben: Die Kosten für deinen Steuerberater sind selbst steuerlich absetzbar. Dabei gilt eine Unterscheidung:

  • Betriebliche Leistungen (EÜR, Umsatzsteuererklärung, Buchführung): Diese Kosten setzt du als Betriebsausgabe ab. Sie mindern direkt deinen Gewinn und damit deine Einkommensteuer.
  • Private Leistungen (Einkommensteuererklärung, soweit sie nicht die freiberufliche Tätigkeit betrifft): Diese Kosten gelten als Sonderausgaben. Allerdings ist der Sonderausgabenabzug für Steuerberatungskosten seit 2006 entfallen — nur der betriebliche Anteil ist weiterhin absetzbar.

In der Praxis bedeutet das: Bitte deinen Steuerberater, auf der Rechnung klar zwischen betrieblichem und privatem Anteil zu trennen. Bei den meisten Freiberuflern entfällt der Großteil der Kosten auf den betrieblichen Bereich, sodass ein Großteil der Rechnung als Betriebsausgabe absetzbar ist.

Welche Aufgaben kann der Steuerberater übernehmen?

Die wichtigste Aufgabe des Steuerberaters für Dich als Klient besteht darin, Dich in den Fragen der optimalen Steuergestaltung vorausschauend zu beraten. Zu den typischen Dienstleistungen eines Steuerberaters gehören neben dem Erstellen der Steuererklärung auch die Erstellung des Jahresabschlusses sowie die Buchführung. Anschließend überprüft der Steuerberater den Steuerbescheid des Finanzamtes. Sollte es mit dem Finanzamt zu einem Streitfall kommen, darf er Dich außerdem vor dem Finanzgericht vertreten. Jahres- und Konzernabschlüsse darf der Steuerberater hingegen nicht überprüfen, weil dies die ausschließliche Aufgabe von Wirtschaftsprüfern ist. Auch eine Rechtsberatung auf anderen Gebieten als dem Finanzrecht ist dem Steuerberater untersagt, weil hierfür Rechtsanwälte zuständig sind.

Der Beruf des Steuerberaters gehört in Deutschland zu den sogenannten freien Berufen. Jedoch gibt es sehr strenge berufsrechtliche Vorschriften für den Zugang zum Beruf. Sein Fachwissen muss der Steuerberater in langwierigen Prüfungen vor der Steuerberaterkammer nachweisen, bevor er den Beruf ausüben darf.

Alternativen zum Steuerberater: Buchhaltungssoftware fuer Freiberufler

Wenn du dich gegen einen Steuerberater entscheidest oder zumindest die laufende Buchführung selbst erledigen möchtest, gibt es gute Softwarelösungen speziell für Freiberufler. Programme wie sevDesk, lexoffice oder FastBill kosten zwischen 10 und 30 Euro pro Monat und können vieles automatisieren: Rechnungen schreiben, Belege erfassen, die EÜR erstellen und Umsatzsteuervoranmeldungen direkt ans Finanzamt übermitteln.

Der Vorteil einer Buchhaltungssoftware: Du behältst die volle Kontrolle über deine Finanzen und sparst die Kosten für die laufende Buchführung. Viele Freiberufler wählen einen Mittelweg und erledigen die laufende Buchführung selbst, übergeben aber die Jahressteuererklärung und die EÜR an den Steuerberater. So sparst du Geld, profitierst aber trotzdem von der Expertise bei der Steuererklärung.

Beachte dabei: Wenn du eine Buchhaltungssoftware nutzt, solltest du darauf achten, dass sie eine DATEV-Schnittstelle bietet. So kann dein Steuerberater die Daten direkt importieren, ohne alles neu eingeben zu müssen — das spart ihm Zeit und dir Geld.

Ist ein Lohnsteuerhilfeverein eine Alternative zum Steuerberater?

Für Arbeitnehmer, Beamte, Studenten, Auszubildende und Rentner stellen Lohnsteuerhilfevereine eine gute Alternative zum Steuerberater dar. Sie müssen lediglich Mitglied des jeweiligen Vereins werden und bekommen dann ihre Einkommenssteuererklärung vom Verein erstellt. Darüber wickeln die Lohnsteuervereine auch den erforderlichen Schriftwechsel mit dem Finanzamt ab. Auch Einsprüche und Klageverfahren dürfen von den Vereinen für die Mitglieder übernommen werden. Für Dich als Freiberufler ist der Lohnsteuerhilfeverein jedoch keine Alternative, weil die Vereine Selbstständige und Gewerbetreibende ausdrücklich nicht vertreten dürfen.

Haeufig gestellte Fragen zu Steuerberater-Kosten

Wie viel kostet ein Steuerberater fuer Freiberufler pro Jahr?

Die jährlichen Kosten hängen von deinem Umsatz und dem Leistungsumfang ab. Bei einem Jahresumsatz von 50.000 Euro kannst du für EÜR, Umsatzsteuererklärung und Einkommensteuererklärung mit etwa 1.500 bis 3.000 Euro rechnen. Bei höheren Umsätzen steigen die Gebühren entsprechend der StBVV-Tabellen. Wer zusätzlich die laufende Buchführung abgibt, zahlt entsprechend mehr.

Kann ich die Steuerberater-Kosten als Betriebsausgabe absetzen?

Ja, die Kosten für den Steuerberater sind als Betriebsausgabe absetzbar, soweit sie deine freiberufliche Tätigkeit betreffen. Dazu gehören die Erstellung der EÜR, die Umsatzsteuererklärung und die laufende Buchführung. Bitte deinen Steuerberater, auf der Rechnung den betrieblichen und den privaten Anteil getrennt auszuweisen.

Lohnt sich ein Steuerberater bei geringem Umsatz als Freiberufler?

Bei sehr geringem Umsatz (unter 22.000 Euro) und einfachen Verhältnissen kannst du die Steuererklärung oft selbst machen, etwa mit einer Buchhaltungssoftware. Sobald du aber regelmäßig Umsatzsteuervoranmeldungen abgibst, höhere Betriebsausgaben hast oder Investitionen planst, kann sich ein Steuerberater schnell rechnen. Die Zeitersparnis allein ist für viele Freiberufler schon das Geld wert.

Häufige Fragen

Wie viel kostet ein Steuerberater fuer Freiberufler pro Jahr?

Die jaehrlichen Kosten haengen von deinem Umsatz und dem Leistungsumfang ab. Bei einem Jahresumsatz von 50.000 Euro kannst du fuer EUeR, Umsatzsteuererklaerung und Einkommensteuererklaerung mit etwa 1.500 bis 3.000 Euro rechnen. Bei hoeheren Umsaetzen steigen die Gebuehren entsprechend der StBVV-Tabellen.

Kann ich die Steuerberater-Kosten als Betriebsausgabe absetzen?

Ja, die Kosten fuer den Steuerberater sind als Betriebsausgabe absetzbar, soweit sie deine freiberufliche Taetigkeit betreffen. Der Anteil fuer die private Einkommensteuererklaerung zaehlt als Sonderausgabe und ist bis zu einem Hoechstbetrag abzugsfaehig.

Lohnt sich ein Steuerberater bei geringem Umsatz als Freiberufler?

Bei sehr geringem Umsatz (unter 22.000 Euro) und einfachen Verhaeltnissen kannst du die Steuererklaerung oft selbst machen, etwa mit einer Buchhaltungssoftware. Sobald du aber regelmaessig Umsatzsteuervoranmeldungen abgibst, hoehere Betriebsausgaben hast oder Investitionen planst, kann sich ein Steuerberater schnell rechnen.

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