Ich bin nach einigen Jahren von einem Geschäftskonto bei einer klassischen Bank zu Kontist gewechselt. Hier erfährst du meine Beweggründe für den Wechsel, wie meine Erfahrungen mit Kontist sind und wie das Angebot nach aktuellem Stand aussieht.
Warum der Wechsel zu Kontist
Ich bin privat seit Jahren zufriedener Kunde bei einer Direktbank. Als ich mit meiner Selbstständigkeit gestartet bin, war der Markt für Geschäftskonten aber noch deutlich klassischer geprägt. Also landete ich zunächst bei einer Bank, mit der ich nie wirklich warm wurde.
Mich haben vor allem diese Punkte gestört:
- Bindung an Filiale und Filialnetz
- unflexible Öffnungszeiten
- wenig moderne digitale Prozesse
- das Gefühl, als kleiner Selbstständiger nicht wirklich wichtig zu sein
Ein Beispiel dafür war der Umgang mit einer defekten Karte: Statt eines einfachen Austauschs wollte die Bank einen Filialbesuch zu ihren Bedingungen. Für mich war das sinnbildlich für genau die Art Banking, die ich nicht mehr wollte.
Warum Kontist?
Bei der Suche nach einer Alternative war mir wichtig:
- möglichst einfache digitale Kontoeröffnung
- mobile Nutzung mit guter App
- saubere Trennung von privatem und geschäftlichem Geld
- Funktionen, die auf Freiberufler und Selbstständige zugeschnitten sind
Kontist hat mich vor allem deshalb angesprochen, weil das Produkt klar auf Selbstständige ausgerichtet ist. Die automatische Steuerberechnung, Unterkonten und die Integration von Buchhaltungsfunktionen sind für diese Zielgruppe deutlich relevanter als klassische Filialberatung.
Nach aktuellem Stand positioniert sich Kontist laut eigener Website ausdrücklich für:
- Freiberufler
- Kleinunternehmer
- Gewerbetreibende
- auch Kapitalgesellschaften wie GmbH, UG oder GbR
Das ist ein Unterschied zu meinem früheren Eindruck, dass der Fokus sehr stark nur auf Solo-Selbstständigen lag.
Meine Erfahrungen mit Kontist
Kontoeröffnung
Die Kontoeröffnung ging bei mir sehr schnell und komplett digital. Das war einer der ersten Momente, in denen ich gemerkt habe, wie groß der Unterschied zu einer klassischen Bank im Alltag wirklich ist.
App und Weboberfläche
Die App ist klar das wichtigste Produkt. Dort lassen sich Überweisungen, Karten, Steuer-Rücklagen und viele Alltagsfunktionen bequem verwalten. Die Weboberfläche reicht für die meisten Standardaufgaben ebenfalls aus.
Mein Eindruck ist weiterhin positiv:
- aufgeräumte Oberfläche
- schneller Zugriff auf Transaktionen
- gute mobile Nutzung
- sinnvoller Fokus auf Selbstständige
Support
Den Support habe ich bisher als ordentlich erlebt. Er ist für mich nicht auf dem Niveau einer Rund-um-die-Uhr-Hotline, aber in meinem Alltag hat das bisher nicht zu echten Problemen geführt.
Kontist Tarife: aktueller Stand
Die alten Tarifnamen aus früheren Jahren sind inzwischen überholt. Nach aktuellem Stand auf der Kontist-Website gibt es drei Kontomodelle:
Kontist Free
- 0 Euro
- deutsche IBAN
- physische Visa Debitkarte
- automatische Steuerberechnung
- 5 SEPA-Überweisungen und Lastschriften
- zusätzliche Transaktionen laut Preisseite gegen Gebühr
Kontist Start
- 11 Euro pro Monat zzgl. USt.
- automatische Steuerberechnung
- bis zu 3 Unterkonten
- physische und virtuelle Visa Debitkarten
- 30 SEPA-Überweisungen und Lastschriften
- zusätzliche Transaktionen laut Preisseite gegen Gebühr
Kontist Plus
- 25 Euro pro Monat zzgl. USt.
- automatische Steuerberechnung
- bis zu 5 Unterkonten
- physische und virtuelle Visa Debitkarten
- 100 SEPA-Überweisungen und Lastschriften
- zusätzliche Buchhaltungsfunktionen wie UStVA und BWA
- zusätzliche Transaktionen laut Preisseite gegen Gebühr
Zusätzlich nennt die aktuelle Preisseite noch einen integrierten Rechnungsteil, Schnittstellen zur Buchhaltung und Zusatzgebühren für weitere Transaktionen. Für mich ist das eine klarere Struktur als früher. Der Produktaufbau wirkt heute nachvollziehbarer als die alten Kombinationen aus Bankkonto, Steuerservice und Bundles.
Kontist und Buchhaltung: Was geht, was nicht?
Einer der meistbeworbenen Vorteile von Kontist ist die automatische Steuerberechnung. Die Idee dahinter: Bei jedem Geldeingang berechnet Kontist automatisch, wie viel du für Umsatzsteuer und Einkommensteuer-Vorauszahlung zurücklegen solltest, und verschiebt diesen Betrag in ein virtuelles Steuerkonto. So siehst du auf einen Blick, was dir tatsächlich zur Verfügung steht und was ans Finanzamt gehen wird.
In der Praxis funktioniert das für die Umsatzsteuer ziemlich gut. Die 19 Prozent werden sauber herausgerechnet und beiseitegelegt. Bei der Einkommensteuer-Vorauszahlung arbeitet Kontist mit Schätzungen auf Basis deines bisherigen Einkommens. Das ist hilfreich als Orientierung, ersetzt aber keine exakte Steuerberechnung. Gerade wenn dein Einkommen stark schwankt, solltest du die Rücklagen regelmäßig prüfen und gegebenenfalls manuell anpassen.
Für die laufende Buchhaltung bietet Kontist laut aktueller Produktseite Integrationen mit lexoffice und sevDesk an. Die Anbindung sorgt dafür, dass Kontoumsätze automatisch in die Buchhaltungssoftware übertragen werden. Das spart dir das manuelle Eintippen und reduziert Fehlerquellen. Wer seine Einnahmenüberschussrechnung ohnehin digital macht, profitiert hier deutlich.
Zusätzlich bewirbt Kontist inzwischen Exporte in Formaten wie DATEV oder CSV. Das ist ein Fortschritt gegenüber älteren Kontist-Versionen und macht die Übergabe an den Steuerberater in vielen Setups einfacher. Trotzdem bleibt entscheidend, wie gut dein tatsächlicher Workflow mit Steuerberater, Buchhaltungssoftware und Belegmanagement zusammenspielt. Wenn du sehr spezielle Prozesse brauchst, solltest du das vorab testen.
Kontist vs. andere Geschäftskonten
Wer ein Geschäftskonto sucht, hat inzwischen deutlich mehr Auswahl als noch vor ein paar Jahren. Hier ein kurzer Vergleich mit den gängigsten Alternativen:
Qonto richtet sich stärker an Teams und kleine Unternehmen. Die Plattform bietet Multi-User-Zugang, Ausgabenmanagement und integrierte Buchhaltungsfeatures. Für Solo-Selbstständige ist Qonto oft etwas überdimensioniert und preislich höher angesetzt als Kontist. Wenn du allerdings mit Mitarbeitern oder Subunternehmern arbeitest und mehrere Karten brauchst, lohnt sich ein Blick auf Qonto.
N26 Business ist ein einfaches Geschäftskonto mit niedrigen Einstiegskosten. Die App ist stark, aber die speziellen Funktionen für Selbstständige sind begrenzter. Es gibt keine vergleichbare automatische Steuerberechnung wie bei Kontist. N26 eignet sich eher für Freiberufler, die ein schlankes Konto ohne Steuerlogik suchen und ihre Buchhaltung komplett separat organisieren.
Finom positioniert sich als All-in-One-Lösung mit Rechnungsstellung, Buchhaltungsanbindung und Cashback auf Kartenzahlungen. Die Tarifstruktur ist ähnlich gestaffelt wie bei Kontist. Der Unterschied liegt eher im Produktfokus als in einer einzelnen Funktion: Kontist setzt stärker auf Steuerschätzung und Selbstständigen-Logik, andere Anbieter stärker auf Team- und Rechnungsprozesse.
Holvi war früher eine beliebte Wahl für Freelancer, spielt im deutschen Markt heute aber eine kleinere Rolle als Kontist, Qonto oder Finom. Wer gezielt nach einem auf Selbstständige in Deutschland zugeschnittenen Konto sucht, findet bei Kontist aktuell weiterhin ein sehr fokussiertes Produkt.
Was Kontist von den meisten Alternativen unterscheidet, ist die konsequente Ausrichtung auf die Steuersituation von Selbstständigen. Die automatische Rücklagenberechnung für Umsatzsteuer und Einkommensteuer gibt es in dieser Form bei kaum einem anderen Anbieter.
Für wen lohnt sich Kontist?
Kontist ist vor allem dann eine gute Wahl, wenn du als Solo-Selbstständiger oder Freiberufler ein überschaubares Buchungsvolumen hast und Wert auf eine saubere Trennung zwischen verfügbarem Geld und Steuerrücklagen legst. Typische Nutzer sind Freelancer aus IT, Design, Beratung oder Medien, die monatlich eine Handvoll Rechnungen stellen und ihre Finanzen möglichst digital abwickeln wollen.
Weniger ideal ist Kontist, wenn du eine GmbH mit hohem Buchungsvolumen und mehreren Mitarbeitern führst. Zwar bietet Kontist inzwischen auch Konten für Kapitalgesellschaften an, aber die Tarifgrenzen bei SEPA-Transaktionen und die eingeschränkten Multi-User-Funktionen stoßen bei wachsenden Unternehmen schnell an ihre Grenzen. Hier sind Anbieter wie Qonto oder eine klassische Geschäftsbank oft die bessere Wahl.
Auch wenn du viel mit Bargeld arbeitest, etwa in der Gastronomie oder im Einzelhandel, ist Kontist nicht die erste Adresse. Laut aktueller Preisseite gibt es zwar einzelne Zusatz- und Echtzeitfunktionen, aber das Produkt bleibt klar auf digital arbeitende Selbstständige ausgerichtet. Für Freiberufler, die fast ausschließlich digital bezahlt werden, fällt das in der Regel kaum ins Gewicht.
Was mir an Kontist gefällt
- klare Ausrichtung auf Selbstständige
- digitale Kontoeröffnung
- automatische Steuerrücklagen
- Unterkonten für bessere Liquiditätssteuerung
- moderne App statt Filiallogik
Was man kritisch sehen kann
- Wer viele Buchungen oder Spezialfälle hat, muss die Tarifgrenzen und Zusatzkosten pro Bewegung prüfen.
- Wer sehr stark auf persönlichen Kontakt setzt, wird bei einer klassischen Bank unter Umständen glücklicher.
- Kontist nutzt laut Website Solaris als Banking-Partner und keine eigene Vollbank-Struktur.
Das ist nichts Ungewöhnliches im Fintech-Bereich, sollte aber bekannt sein.
Mein Fazit zu Kontist
Insgesamt bin ich mit Kontist weiterhin zufrieden. Für mich passt das Produkt deutlich besser zum Alltag eines Selbstständigen als ein klassisches Geschäftskonto bei einer Filialbank. Vor allem die digitale Bedienung, die Steuerlogik und die klare Fokussierung auf Selbstständige sind aus meiner Sicht die größten Pluspunkte.
Würde ich Kontist weiterempfehlen? Ja, aber mit Einschränkung. Wenn du als Freiberufler oder Solo-Selbstständiger ein modernes, digitales Geschäftskonto suchst und die automatische Steuerberechnung für dich einen echten Mehrwert darstellt, ist Kontist eine der besten Optionen auf dem Markt. Wer hingegen ein Konto mit hohem Transaktionsvolumen, Bareinzahlung oder umfangreichem Teamzugang braucht, sollte sich Alternativen wie Qonto oder ein klassisches Geschäftskonto genauer ansehen. In Kombination mit einer guten Buchhaltungssoftware und den richtigen Tools für den Arbeitsalltag deckt Kontist für viele Selbstständige aber genau das ab, was im täglichen Banking wirklich zählt.
Quellen
Häufige Fragen
Ist Kontist eine richtige Bank?
Kontist tritt als Fintech-Anbieter auf und nutzt laut Website Solaris als Banking-Partner. Das ist im Fintech-Bereich üblich, sollte aber bekannt sein.
Kann ich Kontist mit meiner Buchhaltungssoftware verbinden?
Ja. Kontist bewirbt Integrationen mit gängiger Buchhaltungssoftware wie lexoffice oder sevDesk. Nach aktuellem Produktstand lassen sich Daten außerdem in Formaten wie DATEV oder CSV exportieren. Prüfe vor der Entscheidung trotzdem, ob dein konkreter Workflow mit Steuerberater und Buchhaltung sauber abgedeckt ist.
Lohnt sich Kontist auch für Kleinunternehmer?
Ja, besonders der kostenlose Free-Tarif ist für Kleinunternehmer mit wenigen monatlichen Buchungen interessant. Die automatische Steuerberechnung hilft bei Rücklagen, auch wenn Kleinunternehmer die Umsatzsteuerlogik naturgemäß nur eingeschränkt nutzen.
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